Etudes Sans Frontières – Studieren Ohne Grenzen Österreich e.V.

Hintergrund

Kolumbien litt seit Mitte der 1960er-Jahre unter einem bewaffneten Konflikt. Dieser begann damit, dass sich eine linksgerichtete Gruppierung für eine Landreform einsetze. 1964 eskalierte die Situation aufgrund der ungelösten Landkonflikte und der empfundenen sozialen Ungerechtigkeit. So kam es letztendlich zu dem bewaffneten Kampf zwischen dieser Gruppierung auf der einen und den Großgrundbesitzern und der kolumbianischen Regierung auf der anderen Seite.

Im Laufe der Zeit wurde diese Gruppe die größte und aktivste Guerillaorganisation Lateinamerikas und nennt sich „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia” – kurz FARC. Die Kämpfe zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung hielten noch bis Mitte der 2010er-Jahre an.

Die wesentlichen Einnahmequellen der FARC bildeten Drogen- und Waffenhandel, illegaler Bergbau sowie Entführungen und Erpressungen. Eines der mächtigsten Drogenkartelle, mit denen sie verbündet waren, war das Drogenkartell in der Stadt Cali.

Ende Juni 2016 einigten sich der Anführer der FARC, Rodrigo Londono – auch bekannt unter dem Namen Timoschenko – und der kolumbianische Staatspräsident, Juan Manuel Santos, auf einen Waffenstillstand.

Am 27.09.2016 unterzeichneten sie den Friedensvertrag. Dieser beinhaltete eine Landreform, neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer. Zudem sollten die Waffen niedergelegt werden und die FARC sich in eine Partei umwandeln. Am 02.10.16 wurde der Vertrag aber von der kolumbianischen Bevölkerung mit einer knappen Mehrheit (50,23%) abgelehnt. Die Kritik an dem Vertrag bestand vor allem darin, dass die Bevölkerung der Meinung war, die FARC würde nicht genügend zur Verantwortung gezogen werden.

Schließlich wurde am 24.11.2016 ein neu verhandelter Friedensvertrag von Santos und Londono unterzeichnet. Der neue Vertrag beinhaltet einige Veränderungen, sodass die Strafen für die Guerillakämpfer höher ausfallen werden und das Vermögen der FARC zur Entschädigung der Opfer herangezogen werden soll. Diese Entwicklungen nähren die Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft.

Nach den Friedensverhandlungen blieb allerdings eine Gesellschaft zurück, die einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg verarbeiten muss und teilweise stark traumatisiert ist. Insgesamt forderte der Konflikt mehr als 220.000 Todesopfer, ca. 7 Mio. Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben und mehr als 45.000 Personen galten als vermisst.

Seit dem Unterzeichnen des Friedensvertrages gibt es jedoch noch immer Gewalt. Die Regierung unter dem rechtskonservativen Präsidenten und Regierungschef Iván Duque – seit 2018 im Amt – steht in der Kritik. Der Vorwurf lautet, dass die vereinbarten Verpflichtungen von Seiten des Staates nicht konsequent umgesetzt werden. Darüber hinaus haben sich seit Duques Amtseinführung die bewaffneten Konflikte und die soziale Ungerechtigkeit verschärft. Nach Rückzug der FARC im Jahr 2016 wurde verabsäumt für ausreichende Stabilisierung in den von der FARC ehemals regierten Gebieten zu sorgen. Um die Kontrolle jener Gebiete ringen neo-paramilitärische Gruppen, ELN-Kämpfer und FARC-Dissidenten, aber auch (weitere) mit dem Drogenhandel verbundene Gruppen, was zu Vertreibungen der Zivilbevölkerung führte.

Die ländlichen Regionen waren und sind sehr von den Konflikten betroffen, beispielsweise wurden die in den Friedensprozessen angekündigte Landverteilung sowie die Unterstützung für Kleinbauern nur mäßig verwirklicht. Die Gewalt, welche vor allem durch das vermehrte Aufkommen von kriminellen Gruppen seit den Friedensverhandlungen entstand, konzentriert sich in abgelegenen Regionen und richtet sich primär gegen die sozial schwache Bevölkerung, Aktivisten, Jugendliche und ehemaligen FARC-Guerillas. Viele dieser Gewalttaten sind unaufgeklärt.